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Coding-Agenten vervielfachen Erfahrung, sie ersetzen sie nicht

Veröffentlicht 4 Min. Lesezeit

  • Engineer
  • Lead
  • Entscheider

TL;DR

Coding-Agenten versprechen mehr Tempo bei weniger Erfahrung. Tatsächlich gewinnt am meisten, wer Erfahrung mitbringt. Urteilsvermögen setzt dem Agenten die richtigen Leitplanken, bringt ihn nach einem Fehlentscheid wieder auf Kurs und hält die Folgekosten tief. Mit wenig Erfahrung entsteht eine erste Version zwar genauso schnell, die eigentlichen Kosten fallen aber erst später an. Der Agent verstärkt Erfahrung, er ersetzt sie nicht. Die besten Ergebnisse entstehen, wo Erfahrung auf Begeisterung für Agentic Engineering trifft.

machen die Arbeit tatsächlich schneller. Das darf man ruhig so sagen. Wer eine sauber umrissene Aufgabe übergibt, bekommt kurz darauf lauffähigen Code zurück. Auch Einsteiger kommen damit zu einer ersten Version, die läuft. Das schafft sogar, wer sich selbst nie als Entwickler bezeichnen würde. So weit stimmt das Versprechen.

Nur wer genug Erfahrung mitbringt, merkt, wenn der Agent in die falsche Richtung steuert oder eine Fehlentscheidung trifft, und kann gegensteuern.

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Wie viel einbringt, hängt vom Urteilsvermögen ab, und Urteilsvermögen kommt mit der Erfahrung. Eignet sich die Arbeit für einen Agenten, ist ein erfahrener Entwickler damit um ein Vielfaches schneller als ohne. Gemessen wird das an Aufgaben, die fertig sind und das Review hinter sich haben, nicht an erzeugten Codezeilen. So erlebe ich es in meiner eigenen Arbeit; wie gross der Faktor ist, hängt von der Aufgabe ab.

Voll ausschöpfen kann das nur, wer gut urteilt: wer weiss, welche Arbeit man bedenkenlos einem Agenten überlassen kann und was ein Fehlentscheid kostet, der erst im Review oder in Produktion sichtbar wird. Ein Einsteiger holt mit demselben Agenten weit weniger heraus. Eine falsche Richtung, die man nicht sieht, kann man nicht korrigieren.

Eine schnelle erste Version kostet wenig in der Entwicklung und viel im Betrieb.

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Die Quittung kommt später. Da ist die Architektur, die erst unter Last zeigt, dass sie nicht skaliert. Da sind Sicherheitslücken, durch die Daten abfliessen und unter denen der Ruf des Unternehmens leidet. Und da ist Code, der zu instabil ist, als dass sich seine Nutzer darauf verlassen könnten.

Dagegen hilft, was professionelle Softwareentwicklung seit zwanzig, dreissig Jahren prägt: saubere Struktur, Modularität, Sicherheit und Querschnittsthemen, von Anfang an mitgedacht. Daran ändert sich nichts, nur weil jetzt ein Agent den Code schreibt. Diese Grundsätze halten die Folgekosten tief. Die Erfahrung sorgt dafür, dass sie auch in der Arbeit mit dem Agenten gelten.

Welches Risiko man trägt, hängt von der Rolle ab. Wer den Code schreibt, steht am Ende für Ergebnisse gerade, die er nicht beurteilen kann. Am ehesten trifft es Leute am Anfang ihrer Laufbahn. Wer ein Team führt, riskiert, ausgerechnet die erfahrenen Entwickler zu verlieren, mit denen sich Coding-Agenten erst richtig lohnen. Den Preis dafür zahlt das Team später. Wer ein Unternehmen leitet, sieht einen verlockenden Tausch: teure Erfahrung gegen günstigere Leute mit Coding-Agenten. Kurzfristig ist das billiger, über die Lebensdauer des Produkts teurer.

Der Mehrwert ist real, hat aber zwei Voraussetzungen: eine passende Aufgabe und einen Experten, der sich für Agentic Engineering begeistert.

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Wo sich die Arbeit nicht für einen Agenten eignet, hilft auch Erfahrung nicht weiter. Ein erfahrener Entwickler, der sich nicht auf den Agenten einlässt, verschenkt den Mehrwert genauso wie ein Einsteiger, der den Agenten nicht steuern kann. Wer nur auf die Fehler des Agenten schaut, gibt früh auf; wer mit Begeisterung bei der Sache ist, bleibt dran und lernt, ihn zu führen. Wie viel der Agent dann bringt, bestimmt die Erfahrung.

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